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„Zugehörigkeit ist oft fragil.“

O djelovanju Initiative Minderheiten u svojem jubilarnom ljetu. Slika: Sabine Schwaighofer

Ljetos svečuje Initiative Minderheiten svoje 35. ljeto postojanja. A skoro i nije došlo do toga, jer je opstanak djelovanja ovoga važnoga društva bio teško ugrožen kroz još veće skraćenje subvencijov. Uprav ta činjenica je dobar uzrok da pojačamo te „minoritarne alijance“, ke inicijativa pokušava stvoriti i pojačati jur od samoga svojega početka.

I zapravo jur od početka su Initiative Minderheiten i Hrvatski akademski klub povezani, i po ljudi ki su aktivni (bili) i s kooperacijami. Tako i 1994. u „Ljetu manjin“ kad je vozio „Manjinski tramvaj“ po Ringu u Beču i je tim htio u javnosti povući pažnju na manjine. Od 24. do 26. januara 1994. ljeta se ov tramvaj vozio dopodne i otpodne po bečkom Ringu. I HAK je uz nekolike druge organizacije sudjelivao u tom tramvaju, med ostalimi s takozvanimi „Hakovskimi tamburaši“.

Kako konkretno izgleda djelovanje inicijative, ča znači odredjena politička klima za manjine i kako inicijativa za sebe uopće definira, ča su manjine, nam je povidala Cornelia Kogoj, poslovoditeljica Initiative Minderheiten.

NG: Ein Leitmotiv der Initiative Minderheiten sind „minoritäre Allianzen“. Wie zeigt sich dieses Konzept konkret – und wo wird es noch zu wenig ernst genommen?

CK: Am deutlichsten zeigt sich das Konzept der minoritären Allianzen in unserer Zeitschrift der Stimme, die journalistische Plattform der Initiative Minderheiten, die gewissermaßen das Herzstück unserer inhaltlichen Arbeit ist. Dort versuchen wir, Themen bewusst aus unterschiedlichen Perspektiven der Minderheiten zu beleuchten und nicht nur eine einzelne Minderheit in den Fokus zu stellen. Ein gutes Beispiel ist eine der letzten Ausgaben zur Anerkennung von NS-Opfern. Darin wurde aufgezeigt, wie unterschiedlich lange es gedauert hat, bis verschiedene Gruppen – etwa Roma und Romnja, Kärntner Slowen:innen, jüdische Opfer oder Menschen mit Behinderungen – als Opfer anerkannt wurden. Diese zeitlichen Verschiebungen machen strukturelle Ungleichheiten sichtbar.
Für uns ist wichtig, dass wir einen breiten Minderheitenbegriff haben. Minderheiten sind nicht nur klassische Volksgruppen, sondern alle Gruppen, die Diskriminierung erfahren. Diese Diskriminierung kann sehr unterschiedlich aussehen, aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten – etwa strukturelle Benachteiligung oder historische Kontinuitäten. Genau dort setzen minoritäre Allianzen an: beim Sichtbarmachen dieser Verbindungen.
Im Alltag bedeutet das, dass wir versuchen, Themen nicht isoliert zu betrachten. Das gelingt besonders gut bei übergreifenden Themen wie Kultur, Musik oder gesellschaftlichen Entwicklungen. Bei sehr spezifischen Themen – etwa Antisemitismus – ist das naturgemäß schwieriger, aber auch dort versuchen wir, Bezüge herzustellen.

NG: Viele gesellschaftliche Debatten über Integration folgen einer Mehrheitslogik. Was sind aus deiner Sicht die größten Missverständnisse in der österreichischen Mehrheitsgesellschaft, wenn es um Minderheiten geht?

CK: Ein zentrales Missverständnis ist sicher die Vorstellung, dass es so etwas wie „die Minderheiten“ gibt. In Wirklichkeit sind die Unterschiede enorm. Geflüchtete haben andere Herausforderungen als Menschen mit Behinderungen oder als Angehörige von Volksgruppen. Auch innerhalb dieser Gruppen gibt es große Unterschiede.
Gleichzeitig gibt es aber eine gemeinsame Erfahrung: Zugehörigkeit ist oft fragil. Es braucht oft nicht viel, und eine Gruppe wird wieder zur Projektionsfläche. Das kann sehr schnell gehen, etwa in politischen Krisenzeiten oder bei gesellschaftlichen Spannungen. Dann zeigt sich, dass Anerkennung nicht selbstverständlich ist.
Viele Minderheiten erleben, dass ihnen relativ schnell wieder signalisiert wird, dass sie nicht vollständig dazugehören. Diese Erfahrung verbindet unterschiedliche Gruppen, auch wenn ihre Lebensrealitäten sehr verschieden sind.

NG: Hast du den Eindruck, dass die Gesellschaft derzeit „kühler“ wird?

CK: „Kühler“ ist vielleicht ein passender Begriff, auch wenn ich eher von einer angespannten oder raueren Stimmung sprechen würde. Wir erleben derzeit global politische Entwicklungen, die sich auch auf Österreich auswirken. Diese Entwicklungen schaffen ein Klima, das für Minderheiten schwierig ist.
Gerade wenn demokratische Strukturen unter Druck geraten, trifft das Minderheiten besonders stark. Institutionen wie eine freie Presse oder eine unabhängige Justiz sind für Minderheiten essenziell, weil sie Rechte absichern und Möglichkeiten bieten, sich zu wehren. Wenn diese Institutionen geschwächt werden, hat das unmittelbare Auswirkungen.

NG: Die Initiative feiert heuer ihr 35-jähriges Bestehen. Wie stark haben politische Entwicklungen eure Arbeit geprägt?

CK: Sehr stark. Wenn man sich die Entstehungsgeschichte anschaut, wird das besonders deutlich. Anfang der 1990er-Jahre gab es große politische Umbrüche: die Waldheim-Debatte, den Aufstieg rechtspopulistischer Politik, den Jugoslawienkrieg und neue Fluchtbewegungen. In dieser Zeit sind viele zivilgesellschaftliche Organisationen entstanden – auch wir.
Diese Organisationen waren direkte Reaktionen auf politische Entwicklungen. Dass es sie heute noch gibt, zeigt einerseits ihre Relevanz, andererseits aber auch, dass viele Probleme nicht gelöst sind.

NG: Siehst du Parallelen zwischen damals und heute?

CK: Ja, es gibt Parallelen, vor allem, was das gesellschaftliche Klima betrifft. Gleichzeitig gibt es einen wichtigen Unterschied: Heute sind diese Entwicklungen globaler. Was früher stärker national geprägt war, findet heute parallel in vielen Ländern statt. Das verstärkt die Dynamik. Diskurse verbreiten sich schneller, und ähnliche Narrative tauchen in unterschiedlichen Kontexten auf. Für Minderheiten bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung.

NG: Welche Rolle spielen die autochthonen Volksgruppen innerhalb der Initiative?

CK: Eine sehr große. Sie sind historisch stark vertreten und bringen viel Erfahrung mit, insbesondere im Bereich Sprachrechte und kulturelle Selbstbestimmung. Dieses Wissen ist sehr wertvoll und kann teilweise auch auf andere Minderheitenkontexte übertragen werden. Gleichzeitig profitieren auch die Volksgruppen vom Austausch mit anderen Gruppen. Dieser gegenseitige Lernprozess ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit.

NG: Die Initiative bewegt sich zwischen politischer Arbeit, Bildung, Kunst und Aktivismus. Ist diese Mischung notwendig?

CK: Vielleicht nicht zwingend notwendig, aber sie ist eine große Stärke. Wir arbeiten bewusst feldübergreifend, weil wir dadurch unterschiedliche Zugänge schaffen können. Bildung, Kunst und Aktivismus ergänzen sich und ermöglichen es, komplexe Themen vielfältig zu bearbeiten.

NG: Was waren besonders erfolgreiche Projekte?

CK: Ausstellungen haben oft eine große Reichweite, vor allem wenn sie in großen Institutionen gezeigt werden. Ein Beispiel ist die Ausstellung zur Geschichte der sogenannten Gastarbajter:ice, die im Wien Museum gezeigt wurde. Sie war eine der ersten ihrer Art und wurde von Menschen mit entsprechenden Erfahrungen mitgestaltet.
Auch andere Ausstellungen – etwa zu Roma und Romnja oder zur Briefbombenserie – hatten große Wirkung. Gleichzeitig ist die Stimme für uns zentral, weil sie unsere Arbeit langfristig dokumentiert und Diskurse sichtbar macht.

NG: Das vergangene Jahr war finanziell schwierig. Was bedeutet das für eure Arbeit?

CK: Es war wahrscheinlich das schwierigste Jahr, das wir bisher hatten. Es gab Phasen, in denen wir nicht wussten, wie es weitergeht. Besonders herausfordernd war die fehlende Planungssicherheit. Was uns getragen hat, war die Solidarität von Partnerorganisationen und Einzelpersonen. Ohne diese Unterstützung wäre es sehr schwierig gewesen. Trotzdem bleibt die Situation unsicher, weil wir stark projektbasiert arbeiten.

NG: Wie kann man sich bei der Initiative engagieren?

CK: Man muss keiner Minderheit angehören. Wichtig ist Interesse an den Themen und die Bereitschaft, sich einzubringen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, etwa im Rahmen von Projekten oder in der Vereinsarbeit.

NG: Zum Abschluss: Was stimmt dich aktuell positiv?

CK: Vor allem die vielen jungen Menschen, die sich engagieren. Es gibt eine neue Generation, die sehr reflektiert, politisch interessiert und gleichzeitig offen ist. Das gibt Hoffnung und zeigt, dass sich Engagement weiterhin lohnt.

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