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Stipendium vergeben – Struktur gesucht. O štipendiji zemlje.

Ohne Struktur kein život kulture

Eigentlich könnte ich mich doch glücklich schätzen. Ich war in der Sparte Literatur der erste Träger des großen Kunststipendiums des Burgenlandes, verliehen 2023. Das ist ein bedeutendes Signal: Es zeigt, dass Kunst und Literatur als eigenständige, ernstzunehmende Arbeit anerkannt werden.

Nie zuvor hatte ich in solchen Dimensionen für die Entlohnung für meine künstlerische Arbeit gedacht. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit. Es hat mir für eine Zeit eine kleine Aufmerksamkeit verschafft, auch einen finanziellen Polster für Investitionen in Technik, Atelierplatz und Reisetätigkeiten. Für mich und bestimmt auch für die neuen Preisträger:innen, die dieser Tage gekürt wurden (herzliche Gratulation und viel Inspiration an Katrin Bernhardt!) ist es ein notwendiger Schritt in einer Region, die sich ihrer kulturellen Vielfalt zunehmend bewusst wird.

Was bleibt nach der Pressemitteilung

Doch zur der Freude mischt sich ein Hauch Ernüchterung. Denn so wichtig Stipendien sind – sie bleiben tropische Inseln, wenn das umgebende Meer aus Strukturen fehlt. (Die Iberokrowodn können da nicht auf Dauer leben. Wer mein Projekt kennt, weiß Bescheid…) Ein Preis kann ermöglichen, zu schreiben, zu komponieren oder zu inszenieren. Aber was geschieht danach? Wer sorgt dafür, dass ein Theatertext auch wirklich auf einer Bühne steht, dass ein Manuskript seinen Weg zu einem Verlag findet, dass ein künstlerisches Projekt den dafür notwendigen Resonanzraum erhält?

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Vom Schreiben zum Zeigen – die fehlende Brücke

Für das Kusntstipendium Musik kam im letzten Jahr sogar ein (relativ) großer Name zum Zug. Alexander Köck – besser bekannt als Gitarrist von Cari Cari. Jener burgenländischen Band, die in meinem persönlichen Streamingranking schon mehrere Jahre auf Platz 1 gelandet ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Kollege Köck auf das bisherige (auch internationale) Publikum von Cari Cari verlassen kann, wenn seine stipendialen Songs fertig sind. Aber was passiert mit den kleineren Fischen?

Meine 130 Seiten Manuskript aus dem großen Kunst-Stipendium habe ich ans Land geschickt. Wohl eine Handvoll Leute haben das bislang zu Gesicht bekommen. Eine inhaltliche Reaktion oder wohin ich mich mit dem Werk wenden kann, blieb aus. Der Sparkurs macht vor der Kulturförderung keinen Halt.

Aber in der Kunstförderung genügt es nicht, einzelne Talente zu prämieren; sie muss auch die Bedingungen schaffen, unter denen Kunst überhaupt in die Welt treten kann. Im Burgenland, wo Kulturarbeit oft dezentral und nebenberuflich geschieht, fehlen vielerorts jene institutionellen Brücken, die die Arbeit sichtbar machen: professionelle Theater (das ganze Jahr!), Literaturhäuser, Publikationsplattformen, dauerhafte Netzwerke.

Ohne sie verpufft die Wirkung selbst großzügiger Förderungen allzu rasch. Muss ich dazu sagen, dass das schade ist?

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Eine Frage der Nachhaltigkeit

Ein Stipendium ist ein Anfang – aber kein Ersatz für eine lebendige Infrastruktur. Es darf nicht bei einem anerkennenden Photoshooting mit dem Landeshauptmann bleiben, sondern sollte eingebettet sein in ein größeres kulturelles Ökosystem: Es braucht Mentoring, Aufführungschancen, Publikationswege und Möglichkeiten, dass sich Künstler:innen untereinander aber auch mit interessiertem Publikum austauschen. Nur so wird aus Förderung auch Entwicklung.

Die Initiative des Landes verdient Anerkennung: für den Mut, Neues zu beginnen; aber sie muss auch die Gelegenheit wahrnehmen, über das Notwendige hinauszudenken. Wer fördert, übernimmt Verantwortung – nicht nur für den Moment der Ehrung, sondern für den Weg, der danach kommt. Kunst braucht Kontinuität. Preise allein reichen nicht.


Titelfoto: Landesmedienservice

Ein kleiner Auszug meines stipendialen Werks. Aufgezeichnet in der Schweiz.

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